Der Wert eines Konfliktes und die Macht

Habe neulich den Film „The International“ gesehen.
Dort fiel ein Satz, den der Regisseur den „Politiker Umberto Calvini“ sagen ließ auf die Frage, warum die mächtigste Bank „IBBC“ viele Millionen investiert, um Handfeuerwaffen in eine Krisenregion zu liefern. „Calvini“ antwortete „Es geht doch nicht um die Waffen. Der wahre Wert eines Konfliktes liegt in den Schulden, die er verursacht“.
Wenn man sich überlegt, dass die USA seit Jahren von einer Aufstockung des Kreditlimits an sich selbst zum nächsten taumeln, sprich, sich selbst aus der Zahlungsunfähigkeit freisprechen, nur um die Entwertung der eigenen Währung zu verhindern, denn nichts anderes würde die Zahlungsunfähigkeit der USA auslösen, kann man auch verschiedene Maßnahmen und Ereignisse weltweit gut verstehen. Zur Rettung der eigenen und der Weltwirtschaft – deren Verrechnung im internationalen Handel auf Dollarbasis erfolgt, also an die Werthaltigkeit des Dollars gebunden ist – werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, die zwar zum Teil unabhängig voneinander funktionieren, aber am Ende dennoch auf ein Ziel laufen. Am Ende versteht man auch, welchen Sinn die Konflikte der letzten Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg haben.
1. Stärkung der Exportkraft zur Senkung des Außenhandelsdefizits -wesentliches Standbein wird die Abkehr der USA vom Rohstoff-Importeur zum Exporteur sein, wichtigste Positionen sind Öl und Gas. Deshalb wird das Fracking so vorangetrieben. Um die bereits erfolgte Aufteilung des Weltmarktes zu verschieben, sich am Weltmarkt zu platzieren, muss man bestehende Player ausbremsen, einer der mächtigsten Player ist Russland. Wir erinnern uns: Als man in Europa mit Sorge auf die Öl- und Gas- Importe aus Russland, auf die Abhängigkeit davon schaute, waren die USA sofort zur Stelle mit dem Angebot, Fracking-Gas zu liefern.
2. Die Verrechnung des Ölhandels erfolgt auf Dollarbasis. Einige große Staaten haben vor einigen Jahren laut darüber nachgedacht, ihre Ölbörse auf EURO-Preise umzustellen. Bereits das hätte eine mittlere Katastrophe auslösen können. Zugleich hat Libyen gemeinsam mit Syrien, dem Irak und dem Iran versucht, eine afrikanische Kreditbank ins Leben zu rufen, mit der die Finanzierung der afrikanischen Länder unabhängig von der Weltbank und ihren Bedingungen erfolgen sollte. Ein Desaster für die Weltbank drohte, für den US-Dollar. Das Ergebnis des Gegensteuerns ist bekannt. Libyen und Syrien zerlegen sich gerade im Bürgerkrieg, der Irak ist nicht mehr handlungsfähig, der Iran isoliert und wird sicher eines der nächsten „Kreditziele“ sein.
3. Einem Wertverlust des US-Dollars kann man nur entgegensteuern, indem man das fehlende Eigenkapital aufbessert. Die Wirtschaftsleistung der USA allein unterlegt nicht die in Umlauf befindliche Geldmenge an US-Dollar, die aufgenommenen Kredite sind nicht durch entsprechende Passiva gedeckt. Also muss die an Dritte ausgereichte Kreditmenge erhöht werden, die durch entsprechende Sicherheiten der Staaten, deren Wirtschaftleistung, gedeckt wird. Da die Staaten der Welt in der Regel selbst schon hoch verschuldet sind, haben die keine Veranlassung, neue Kredite aufzunehmen.
4. Also schafft man in den in Frage kommenden Staaten entsprechende „Bedingungen“. Der arabische Frühling, die nicht vollendete orange „Revolution“, der jetzige Umsturz als Vollendung der orangenen Revolution.
Womit wir wieder beim Eingangsgedanken angekommen wären:

„Der wahre Wert eines Konfliktes liegt in den Schulden, die er verursacht.“
Man generiert Konflikte, lässt Staaten kollabieren und schlägt damit zwei Fliegen gleichzeitig:
Man kann neue Kredite ausreichen, denn die in Konflikte verwickelten Staaten benötigen zur Kriegsführung Geld und für den Wiederaufbau erst recht. Und bindet diese Staaten zugleich an den US-Dollar, an den US-Wirtschaftsraum.
Obendrein, am Beispiel der Ukraine gut erkennbar, eine Abwendung zur NATO löst z.B. einen Umbau des Militärs aus, die Waffensysteme, die Ausrüstung wird auf (US-dominierten) NATO-Standard umgestellt. Bedeutet, die Waffen kommen aus USA, das Geld fließt in die USA und verbessert die Außenhandelsbilanz. Zur Finanzierung dessen werden neue Kredite benötigt, die durch die Weltbank, den IWF, also in erster Linie die USA, ausgereicht werden, was die eigene Kreditwürdigkeit der USA verbessert. Dem Westen der Ukraine allerdings fehlt die Wirtschaftskraft, um die Kredite bedienen zu können, die wirtschaftskräftige Industrie steht im Osten. Daher rührt das massive Interesse, eine Abspaltung des Ostens zu verhindern. Denn dann wären die Kredite nicht durch eine entsprechende Wirtschaftsleistung gedeckt. Das Ausfallrisiko ist einerseits zu hoch und andererseits kann man natürlich nur eine der Wirtschaftsleistung entsprechende, dann niedrigere Kreditsumme ausreichen. Was wiederum dazu führen wird, dass man sich einen Kreditmarkt mehr suchen muss, einen weiteren Konfliktherd.
Das größte Problem ist, dass dies eine Spirale ist, sie hat kein natürliches Ende.
Der Euro, die Euro-Zone stellen einerseits eine Gefahr für den US-Dollar dar, andererseits ist der EURO eine kompensierende Währung. Die durch die EURO-Länder aufgenommenen Kredite stehen in den Büchern der US-dominierten Weltbank, des IWF. Die Verzahnung ist so tief, dass ich mir nicht ausmalen möchte, was passiert, wenn beides kollabiert – Euroraum und USA. Ist das überhaupt möglich? Welche anderen Spieler haben welche Interessen: China, Indien, Russland, Brasilien?

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Noch nicht einmal die Mayas erbarmen sich unserer

Mist, nun haben weder Naturgewalten noch Außerirdische uns die Entscheidung über unseren Planeten und unser Dasein abgenommen.
Oh nee, aber ooch. Jetzt geht der ganze Stress weiter.
Steigen die durchschnittlichen Temperaturen, oder nicht? Dieses Frühlingsweihnachten macht es nicht einfach zu glauben, der atlantische Golfstrom würde nicht bald zum Erliegen kommen, weil alles Süßwasser des Nordpols im Meer gelandet ist. Der Euro ist auch nicht mehr, was er Anfangs zu werden schien, im Nahen Osten ist der Druck im Kessel höher denn je, auch wenn die UN-Vollversammlung ein bisschen Druck rausgelassen hat, damit es nicht vollends knallt (schon interessant, mit welchen Mitteln Israel und die Hamas die Abstimmung beeinflussen wollten), den Finanzkapitalisten gehen die Puste und die Ideen aus, Fundamentalislamisten und Christen haben sich kurzzeitig gegen die verbündet, die partout die Macht über das Öl nicht hergeben wollten… Und was machen wir, die wir einfach nur hier leben?
Genau genommen nichts. Wir warten, dass jemand für uns alles in Ordnung bringt, damit wir dann schön weiter motzen können, wenn’s dann doch nicht so hundertprozentig das ist, was wir wollten.

Es werd scho nett so schlimm werde, gell?

Also – keine Wünsche für 2013 – es ändert sich eh nix.

Charly, Euer grimmig-mürrischer Defätist

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Alles wieder da…

Hhhmm. Haben sich doch glatt die Permalinks mal eben selbst neu definiert

Aber nu’ iss alles wieder erreichbar.

Charly

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Paradoxon

Es gibt etwas in der kapitalistischen Wirtschaft, das ich als Paradoxon der kapitalistischen Wirtschaftsweise bezeichne. Es wird sich im weiteren zeigen, dass es kein Paradoxon ist. Richtiger wäre es, das als die Ungleichung zu bezeichnen. Und trotzdem behalte ich die Bezeichnung Paradoxon bei, weil es so gar nicht zu der sogar mathematisch beschreibbaren und stimmigen Wirtschaftsweise passt.

Das Geld war, ist und wird immer sein.Es ist eine Ware wie jede andere Ware und doch eine besondere. Das ist das Glaubensbekenntnis vieler Menschen.
Auf den Markt geworfen, verbindet sich Geld mit der Ware Arbeit, die scheinbar auch eine Ware ist wie jede andere, und so wird aus Geld Kapital.
Mit anderen Waren, den Produktionsmitteln, vereint beginnt ein Prozess, die Produktion.
Am Ende des Prozesses entsteht aus Arbeit und Produktionsmitteln eine neue Ware. Dieser Ware ist eine seltsame Eigenschaft zugeteilt worden, sie hat mehr Wert als das Geld am Beginn des Prozesses hatte. Auf den Markt geworfen und in den Handel gebracht erzielt die Ware einen Preis, der höher ist als die Kosten zu ihrer Herstellung.
Am Ende des Prozesses hat der Eigentümer des Geldes mehr Geld in der Hand als zu Beginn des Prozesses.
Es ist etwas Wunderbares geschehen, aus Geld ist mehr Geld geworden.

Die Versuchung ist groß, sich den ganzen Prozess zu sparen und ohne Umweg aus Geld mehr Geld zu schaffen, zu schöpfen. Der Mensch wird Schöpfer von Geld! Es ist eine ganze Gilde entstanden, deren Streben und Handeln sich darin erschöpft, ohne Umwege aus Geld mehr Geld zu machen. Ihr Schlachtruf ist einfach : ‘Wir machen mehr Geld aus ihrem Geld.’
Aber wie ist das möglich? Ist es überhaupt möglich? Irgendwie ist es paradox, deshalb nenne ich es das PARADOXON.

Seit der klassischen politischen Ökonomie, wie sie beispielhaft von RICARDO, SMITH und MARX repräsentiert wird, gilt deshalb als eine Art Grundgleichung der Wirtschaft die Formel

G – W – P – W’ – G ‘

Das Geld mit der Menge G wird am Anfang eines Zyklus zu Kapital, indem mit dem Geld Waren – das sind Arbeit und Produktionsmittel – gekauft werden. Diese Waren haben einen bestimmten Wert W. In der darauf folgenden Produktion P verwandeln sich Arbeit und Produktionsmittel zu neuen Waren. Diese Waren haben einen Wert W’. Die Eigentümlichkeit besteht darin, dass der Wert W’ am Ende der Produktion P höher ist als der Wert W am Beginn der Produktion P. Am Ende des Zyklus werden die Waren wieder zu Geld verwandelt, aber die Menge des Geldes G’ ist größer als die Menge G des Geldes am Beginn der Produktion

Aus Geld wird mehr Geld. Das ist erklärtes Ziel und gewolltes Ergebnis des kapitalistischen Wirtschaftens.

Jedes Unternehmen hat das Ziel, schwarze Zahlen zu schreiben – wie es so schön heißt – Gewinne zu erwirtschaften, schwarze Zahlen zu schreiben, wenn nicht sofort, dann doch in zumindest absehbarer Zeit, in der Gewinnzone zu bleiben oder in sie zu gelangen, aus dem Verkauf der hergestellten Waren mehr Geld zu erwirtschaften als in die Herstellung investiert wurde.
Etwas formalisiert steht für ein funktionierendes Unternehmen – also ein Gewinn erwirtschaftendes Unternehmen – die Ungleichung G < G’ als Ziel der Unternehmensführung.
Erreicht ein Unternehmen dieses Ziel, so ist es gewachsen.
Das Wachstum, nicht mehr und nicht weniger drückt diese Ungleichung aus, ist Traum und Ziel jeder derzeitigen kapitalistischen Marktwirtschaft.
Tatsächlich ist es auch so, am Beginn des Herstellungsprozesses werden in einem Unternehmen mit einer bestimmten Menge an Geld als Kapital Material, Arbeit und anderes gekauft. Am Ende eines Zyklus schließt das Unternehmen – sofern es gut wirtschaftet – den Zyklus mit Gewinn ab. Sind die hergestellten Waren verkauft, so ist mehr Geld in der Kasse als am Beginn des Zyklus, die Bilanz des Unternehmens am Ende des Wirtschaftsjahres ist positiv.
Tauchen wir ein in die Welt der Wirtschaft und an den Beginn eines Wirtschaftszyklus, meinetwegen am Beginn eines Wirtschaftsjahres.
Um die Vorgänge verdeutlichen, ist es angebracht, sich eines Modells zu bedienen.
Angenommen sei eine Volkswirtschaft bestehend aus drei Unternehmen, abgeschottet gegenüber dem Rest der Welt, das Saldo der Außenwirtschaft sei also Null.
Der Einfachheit halber sei angenommen, es gibt nur drei Unternehmen auf dieser Insel und auch nur drei Personen, denen alles Geld gehört. Wie sie zu dem Geld gekommen sind, spielt vorerst keine Rolle und ist auch unerheblich für die nachfolgenden Überlegungen
Dem inneren Trieb, keiner volkswirtschaftlichen Ungleichung folgend, wollen die drei Geldbesitzer aus ihrem Geld mehr Geld machen, Wert schöpfen. Das ist ‘menschlich’ in der Wirtschaftsordnung der Insel.
Also kaufen die drei angehenden Unternehmer als erstes Maschinen für die Hälfte ihres Geldes bei einem Händler, der diese Maschinen sein eigen nennt, sie kaufen für ein Viertel ihres Geldes Material, bei einem Händler, der diese Materialien sein eigen nennt und für das restliche Viertel heuern sie Lohnarbeiter an.
Die Unternehmer zahlen, so ungewöhnlich es klingen mag, den Lohn im voraus, denn sie kaufen die Arbeit. Damit ist ihr ganzes Geld verausgabt.
Die drei Unternehmer besitzen nun Maschinen, Material und Arbeit, die Produktion kann beginnen.
Die beiden Händler und die angeheuerten Lohnarbeiter haben Geld in ihren Händen und warten nun auf die Waren. Bis dahin begeben sie sich in ihre Privatsphäre und bauen ein Minimum an Gemüse an, um sich ernähren zu können. Und da sie nicht alle alles anbauen können, baut jeder sein besonderes Gemüse an und sie tauschen untereinander ihre Erzeugnisse aus, ohne Geld und ohne Warenwirtschaft. Sie erwirtschaften auch keinen Gewinn!
Die Unternehmer indessen lassen Waren herstellen und zwar genau für die von ihnen investierte Geldmenge und kalkulieren ihre Kosten und ihren Gewinn. Der Preis der in ihren Unternehmen hergestellten Waren setzt sich zusammen aus den Kosten und einem kalkulatorischen Gewinn.
Und die Unternehmer beschauen sich die Kalkulation strahlend und siehe da, die kalkulierten Preise decken nicht nur die Kosten ab, sie enthalten auch einen hübschen Gewinn!
Frohgemut werfen sie sie Waren auf den Markt. Einen idealen Markt angenommen, bei dem jedes Angebot seine Nachfrage findet, finden die Waren ihre Käufer.
Aber nun staunen die Unternehmer, es werden genau so viel Waren gekauft, wie sie an Geld den Händlern und den Lohnarbeitern ausgehändigt hatten! Nun stellen sie fest, es kann nicht mehr an Waren verkauft und gekauft werden, als an Geld in Umlauf gebracht wurde.
Um diesem Problem zu begegnen, haben die drei Unternehmer folgende Ideen:
1.Den Kunden wird ein Kredit eingeräumt. Das Problem ist verschoben, aber nicht gelöst.
2.Die Waren werden von den Unternehmen selbst verbraucht.
3.Die Waren werden in ein ‘Ausland’ verkauft.
4.Die Waren werden zwischen den drei Unternehmern getauscht oder bargeldlos verkauft.
Gleichgültig, was nun noch geschieht, am Ende der Bemühungen der drei Unternehmer sind Waren in den Verkehr gebracht worden, deren Preise in der Summe über den Kosten liegen.
Oder wie das der Patriarch MARX in seiner Sprache formuliert hätte, der Wert der Warenmenge ist höher als der von den Kapitalisten vorgeschossenen Kapitals. Der angebotenen Warenmenge W’ steht auf dem Markt nur eine Geldmenge G und nicht G’ gegenüber, gekauft werden kann nur gegen Geld in Höhe der Warenmenge W.

Die Summe aller Preise der in einem bestimmten Zeitraum in Verkehr gebrachten Güter und Leistungen ist größer als die Summe des im gleichen Zeitraum in Umlauf gebrachten Geldes.

Die Differenz zwischen der Summe der Preise und der Summe des Geldes entspricht dem Durchschnitt der Summe aller Profite, was nicht anderes heißt, dass die Gesamtheit der Unternehmer nicht in der Lage ist, das hergestellte Mehr – das Mehrprodukt – zu versilbern, einen Profit in Form von Geld zu verwirklichen, ihr angeeignetes Mehrprodukt ohne weiteres zu ‘versilbern’!
Jeder Produktionszyklus in der kapitalistischen Warenwirtschaft endet mit einem Überangebot an Waren, mit einer Überproduktion. Umgekehrt versteht sich die Situation als Unterkonsumtion seitens der Verbraucher. Aus Sicht des einzelnen Unternehmers ist das auch so und er bemüht sich auf vielfältige Weise die Kauflust anzustacheln.
Und das soll den Klassikern nicht aufgefallen sein? Das wäre verwunderlich.
Ein Blick in die Werke des Altmeisters MARX erspart ein umfangreiches Quellenstudium bei SMITH, RICARDO, MILL, SAY und anderen, denn MARX betrieb ein Quellenstudium ohnegleichen. Eine recht ausführliche Debatte dazu findet sich im zweiten Band des Kapital (MEW Bd. 24 Seite 321 ff) : ‘Die Frage ist also nicht: Wo kommt der Mehrwert her? Sondern: Wo kommt das Geld her, um ihn (den Mehrwert W’-W; RG) zu versilbern?’ Nach recht ausführlicher Darlegung und der Feststellung, ‘Das Problem existiert nicht!’ (MEW Bd. 24 S. 334) kommt MARX zu der überraschenden Feststellung auf der Seite 335 in seiner ihm eigenen Sprache : ‘In der Tat, so paradox es auf den ersten Blick scheint, die Kapitalistenklasse selbst wirft das Geld in die Zirkulation, das zur Realisierung des in den Waren steckenden Mehrwerts dient. Aber notabene: sie wirft es hinein nicht als vorgeschoßenes Geld, nicht als Kapital. Sie verausgabt es als Kaufmittel für ihre individuelle Konsumtion. Es ist also nicht von ihr vorgeschossen, obgleich sie der Ausgangspunkt der Zirkulation ist.’
Der Mehrwert wird also nach MARX ‘versilbert mit dem Geld, das er selbst nicht als Kapitalist, sondern als Konsument in die Zirkulation geworfen, nicht vorgeschossen, sondern verausgabt.’ Was wohl nichts anderes heißen soll, als dass der Kapitalist sein von ihm angeeignetes Mehrprodukt, seinen Mehrwert selbst kauft, mit seinem eigenen Geld. Der Kapitalist hat am Ende des Zyklus nicht mehr Geld als am Beginn, er macht aus Geld nicht mehr Geld, keinen Profit, keinen Gewinn.
Irgendwie ist die Lösung unbefriedigend.
Andererseits, wenn das Mehrprodukt nicht versilbert werden kann, laut PARADOXON, muß es doch eine zunehmend größere Menge an Gütern und Leistungen vorhanden sein, denen keine Geldmittel gegenüber stehen, dann müssten sich unverkäufliche Mengen an Flugzeugen, Maschinen, Broten, Butter häufen. Ist es tatsächlich so? Oder ist das PARADOXON ein Phantom?
An dieser Stelle ende ich. In einem zweiten Teil werde ich versuchen nachzuweisen, dass das PARADOXON tatsächlich besteht und wirkt, dass sich über einen längeren Zeitraum immer mehr Güter ansammeln, die nicht zu versilbern sind, es in der Wirtschaft tatsächlich einen immer größeren Umfang an in Verkehr gebrachten Güter und Leistungen gibt, denen keine gleich wachsende Menge an Geld gegenüber steht.
Oder gibt es Widerspruch dazu? Ich bin neugierig und freue mich über Widerspruch.

Rudolf Grollmisch

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Mein heutiger Schmerz

Liebe Redaktion ‘EULENSPIEGEL,

da lese ich den STERN vom 23.02.2012 und lande auf Seite 46.
Schon nach wenigen Zeilen öffnet sich mir das Herz. Die Grand Dame unserer Grand Nation steht aufrecht und ungebrochen, ihr Schein erleuchtet uns alle, stolz und aufrecht, elegant gekleidet, selbst in Jeans, überstrahlt sie fast ihren Gatten. Mit ihr wird das Präsidentenpaar geadelt, die deutsche Nation hat ein den Königspaaren Europas ebenbürtiges Paar, hehr und erhaben. Ich weine vor Rührung, mir bricht das Herz! Welche Schmach ist dieser edlen Frau angetan worden! ‘Sie hat das Land elegant vertreten.’ Ihr gehört die Ehre. Nun wird sie von elenden Burschen wieder nach Burgwedel verstoßen! ‘Sogar Kanzlerin Merkel blickte … zu Bettina Wulff auf’! Und nun das Ende, ich weine vor Rührung und bebe vor innerem Zorn ob der Schande, die das niedere Volk diesem Paar angetan hat. Schande über Schande! Alle Größen, ‘Professoren, Politiker und Experten’ waren sich einig, „Wulff muss Präsident bleiben, denn sie mach den Job großartig!“ Und dann dieses Ende. Ich bin empört! ‘Jürgen Großmann von RWE und Carsten Maschmeyer von AWD garnieren mit ihrer Anwesenheit hochrangig’ ihre Hochzeitfeier. Das ist Adel! ‘Bettina stylt(e) ihn’ (Wulff) ‘um, damit er zu ihr und zu den neuen Freunden ….Vroni und Maschi..’ passt.
Verruchte und niederträchtige Schurken haben das deutsche Volk mitsamt ihren islamischen Mitvolksgenossen um etwas Erhebendes gebracht. Schande auch über die Federfuchser, die in einer Folge seit über hundert Jahren die edlen Werte der deutschen Nation besudelten und besudeln. Ich bin empört, verzweifelt, gebrochen, ich verzweifele an der deutschen Nation. Was haben sie aus uns gemacht? Ich weine, aber an wessen Brust soll ich, kann ich mich ausweinen, wenn nicht an der Brust des EULENSPEGELS, meine Wehmut und meinen Zorn hinaus schreien in diese Welt!

Mit herzerweichenden Grüßen,
Rudolf Grollmisch

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Unfallschutz, Verfassungsschutz – wer schützt wovor?

Als neulich mal wieder zur Sende- Unzeit auf einem vom Gebührenzahler gesponserten Sender darüber diskutiert wurde, ob es nun wichtiger ist Sozialisten, Kommunisten, Nazis oder Terroristen zu überwachen, habe ich aus dieser Diskussion folgende Essenz gewonnen:

Nazis muss man unter Kontrolle halten, weil sie Ausländer mordend durch das Land ziehen und die Bettruhe des deutschen Michel stören und Kommunisten, weil sie erfahrungsgemäß die Unfreiheit und Unterdrückung anstreben.

Das war eine vollkommen neue Erkenntnis für mich, denn bisher hatte ich eher den Eindruck und auch gelernt, dass Nazis diejenigen waren, die Unterdrückung und Versklavung für Europa in die Tat umgesetzt haben und dass Kommunisten ein anderes wirtschaftliches(!) System anstreben, eine Änderung der Eigentumsverhältnisse an Produktionsmitteln und nicht zuvorderst eine Änderung der politischen Verhältnisse.

Dass das in der Vergangenheit in den untergegangenen Staaten anders gelebt wurde, mit den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen auch die politischen Verhältnisse dramatisch verändert wurden, steht auf einem anderen Blättchen und hatte mit den ursprünglichen Zielen nichts mehr zu tun.

Allerdings darf man sich fragen, warum die, die sich in den Medien als Kommunisten präsentieren, dies nicht klar sagen.

Dass Kommunisten nun aber als wesentlich gefährlicher und darum beobachtungswürdiger angesehen werden, lässt darauf schließen, dass man offensichtlich nicht die Änderung politischer Verhältnisse fürchtet, sondern andere wirtschaftliche Eigentumsverhältnisse. Was wiederum bedeutet, dass die derzeitigen politischen Spielemacher also wirtschaftliche Interessen zu sichern beauftragt sind, wenn sie, demokratisch bevollmächtigt, Behörden beauftragen, politische Gegenspieler zu verfolgen. Nazis hingegen werden gesponsert – warum wohl?

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Das verlorene Gewissen und die Freiheit oder Auch Erwachsene wollen Regeln

“In den letzten Jahrzehnten hat das Gewissen viel von seiner Bedeutung verloren. Es sieht so aus, als ob im Leben eines Menschen weder äußere noch innere Autoritäten mehr eine hervorragende Rolle spielten. Jeder ist völlig ‘frei’, wenn er nur den legitimen Ansprüchen anderer Menschen nicht ins Gehege kommt. Tatsächlich aber finden wir, dass die Autorität nicht verschwunden ist, sondern dass sie sich nur unsichtbar gemacht hat. An Stelle der offenen Autorität regiert regiert jetzt die anonyme Autorität. Sie tarnt sich als gesunder Menschenverstand, als Wissenschaft, als psychische Gesundheit, als Normalität oder als öffentliche Meinung. Sie verlangt nichts als das, was ‘selbstverständlich’ ist. Sie scheint keinerlei Druck auszuüben, sondern nur sanft überreden zu wollen. Ob eine Mutter zu ihrer Tochter sagt; ‘Ich weiß ja, dass du mit dem jungen Mann nicht gern ausgehst’, oder ob uns eine Reklame suggeriert: ‘Rauchen Sie diese Zigarettenmarke – und Sie werden von ihrer Frische begeistert sein’, wir haben es mit der gleichen subtilen Suggestion zu tun, die tatsächlich unser gesamtes gesellschaftliches Leben durchdringt. Die anonyme Autorität ist deshalb noch wirksamer als die offene Autorität, weil einem gar nicht erst der Verdacht kommt, dass da ein Befehl gegeben wird, den man zu befolgen hat. Bei der äußeren Autorität ist es klar, dass ein Befehl vorliegt und wer ihn gegeben hat. Man kann sich gegen die Autorität wehren, und persönliche Unabhängigkeit und moralischer Mut können sich in diesem Kampf entfalten. Aber während auch noch bei der internalisierten Autorität der Befehl – wenn er auchin unserem Inneren besteht – doch erkennbar bleibt, so sind bei der anonymen Autorität sowohl der Befehl als auch die Instanz, die ihn erteilt, unsichtbar geworden. Es ist, als ob ein unsichtbarer Feind auf uns schießen würde. Da ist niemand und nichts, wogegen man sich wehren könnte.” Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit. dtv Verlag 1990, S. 125.

Gestern schlug ich dieses Buch auf und zwar just auf jener Seite. Als ob die Beschäftigung mit der Transparenz mich intuitiv dorthin geführt hätte. Scheint so, als ob die Menschen sich mehr und mehr dieser anonymen Autorität bewusst würden und sich gegen sie zu wehren versuchen. Aber reicht es, diese Autorität an die Oberfläche zu zerren, um unser aller Leben dauerhaft und nachhaltig zu verbessern? Sind wir schon bereit für ‘persönliche Unabhängigkeit und moralischen Mut‘?

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Transparente Piraten

Wer, was oder wie? Transparenz – das wohl am meisten benutzte Wort der Piratenpartei. Hhmmm…

Egal, was in der Politik passiert – Hauptsache es ist für die Piraten durchschaubar, verständlich, also transparent? Das würde die eklektische Sicht der Piraten auf die Welt erklären.

Einmarsch in Afghanistan – alles okay, solange die Entscheidung transparent ist? Hartz4 ok, solange alles transparent läuft? Bundestrojaner ok, solange er transparent ist? Ähh, jou, stotter, stotter…

Ist das jetzt Naivität oder Dummheit? Egal – Erwachsenwerden ist nie einfach, weder für Menschen noch für Parteien.

Euer pubertierender Charly

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